CLICKER REITER - ZENTRUM
 
 
ClickerTraining für Pferde
 


 

TIPPS ZUR BELOHNUNG

 
   
   Tipps zu Belohnungen und dem Clicker ( C/B ) 
von Christiane Müller
Ein typisches Statement: 
Vom Grundsatz her kann ich es schon nachvollziehen und habe auch am Anfang, als ich die erste Bodenarbeit mit meinem Pferd gemacht habe, sehr viel mit positiver Verstärkung sprich 
„ Leckerli oder Heucobs" gearbeitet. 
Aber irgendwann fand ich es nur noch unmöglich, dass er mir ständig in der Tasche hing. Sollte man trotzdem bei schwierigen Dingen (wie durchs Wasser gehen) vielleicht doch Leckerli einsetzen? 
 
                           JA !!
 
Da das ClickerTraining auf einen positiven Bestärker ( meist Futter ) aufbaut, möchte ich noch mal auf das Thema Belohnung gesondert eingehen, um die übliche Vorurteile zum Geben von Belohnungen zu vermeiden. 
Positive ( primäre ) Bestärker sind alles, was das Pferd wirklich mag und für das es bereit ist zu arbeiten, alles was also motivierend auf das Pferd wirkt !  
Primäre Bestärker deshalb, weil sie nicht erlernt sind sondern aus den natürlichen Bedürfnissen des Pferdes kommen. Futter, Sexualtrieb, sich wälzen, mit Weidegenossen zusammen sein, spielen, sich bewegen können u.s.w. 


Da es uns aber nicht möglich ist unser Pferd jedes Mal zu den anderen laufen zu lassen oder sich zu wälzen, wenn es etwas gut gemacht hat und Futter, wie wir alle wissen, ein sehr guter Motivator ist, bietet sich dieses hervorragend als positiver Verstärker an.  
Ich möchte nicht auf den so großen Motivator Futter verzichten . 
Man kennst sie ja die lieben Pferde.  Was tun sie am liebsten ? 
FRESSEN und noch lieber Möhren , Äpfel, Brot, Leckerlis.  
Also warum nicht Futter ( primärer Verstärker ) einsetzen ?


Selbst das normalerweise angewandte Loben ( Klopfen auf den Hals oder Streicheln ) ist für die meisten Pferde nicht unbedingt hoch motivierend, sondern manchmal geradezu unangenehm. 


Aber grundsätzlich gilt, alles was das Pferd wirklich als Belohnung empfindet  ( nicht, was der Mensch glaubt, es wäre eine  Belohnung) kann als Verstärker eingesetzt werden. Es gibt aber auch Situationen in denen sind die Pferde so aufgeregt und ängstlich,  da möchten sie nicht mal ein Leckerli, hier hat die Angst vor irgendwas den Fresstrieb übertrumpft  ( z.B im Gelände ). Dann clicke ich auch für das Ruhig bleiben, aber als Belohnung entfernen wir uns von dem Gegenstand bis zu dem Punkt, an dem die Wohlfühlzone des Pferdes wieder anfängt und die Bedrohung für es nicht mehr so groß ist .  Dann gehen wir erneut auf das Objekt zu. 


Viele Leute wissen zwar, das Futter eine gute Belohnung darstellt, aber befürchten dadurch ein aufdringliches,  dauernd an den Taschen schnupperndes, vielleicht sogar beißendes Pferd zu bekommen.  Was auch durchaus der Fall ist, wenn nicht die Gabe von Belohnungen in ein klares, für das Pferd durchschaubares System eingebunden wird !  


Es soll lernen:  

Nur ein Verhalten > führt zu Click > führt zu Belohnung ! 


Der Click macht  meinem Pferd auf alle Fälle exakt  klar : 

" DAS WAR RICHTIG ! " 


Also nur, wenn es den Click gehört hat, kann es sicher damit rechnen eine Belohnung zu erhalten.  Hält man sich konsequent an diese Regel, kann Futter als großer Motivator  in der Ausbildung eingesetzt werden. 


Wie aber wird meist, ohne nachzudenken, mit Belohnungen verfahren ?  

Hier ein Beispiel:
Man gibt Möhren / Äpfel weil man dem Pferd etwas Gutes tun will oder als Begrüßung.  Kurz darauf entscheiden wir aber: 

„ Jetzt ist genug. Mehr gibt es nicht !" 


Das Pferd versteht diesen Sinneswandel nicht und möchte mehr Möhren,  also schnuppert es weiter an der Tasche, beißt vielleicht sogar hinein.  Meist passiert dann folgendes : 

„Ach, das Pferd ist ja so lieb !" Also bekommt es doch noch eine Möhre (es wird in seinem eigentlich negativen Verhalten bestärkt  d. h es wird versuchen weiter zu betteln) oder aber es bekommt eine auf die Nase, weil es dem Menschen zu viel wird.  Jetzt ist das Pferd aber total verwirrt. Erst bekommt es was und auf einmal erhält es einen Schlag für das, aus seiner Sicht selbe Verhalten. 
Wie soll es das noch verstehen  ???  


Dies ist ein sehr gutes Beispiel für die Kraft der Variablen Bestärkung.  Die da heißt:  

Auch wenn das Pferd nur gelegentlich für das Betteln, mit dem Fuß scharren oder Menschen anstoßen etwas bekommt, wird es in seinem momentanen Verhalten bestärkt und immer wieder dieses Verhalten zeigen !!!! 


Die variable Bestärkung schützt ein Verhalten sehr sicher vor seiner Löschung ! 
         Merksatz aus der Verhaltenspsychologie ( wissenschaftlich belegt ) 

Wer also ClickerTraining macht, sollte auf alle Fälle aufhören dem Pferd einfach hier und da eine Belohnung zu geben, ohne dass, das  Pferd präzise weiß wofür.  
Sonst hört das Betteln auch mit dem ClickerTraining nie auf.  Wenn man sich dazu entscheidet Futter als Verstärker einzusetzen, dann gezielt und bewusst ! 


Sollte dein Pferd dazu neigen, dir fast in die Hand zu beißen, gib‘ anfänglich die Belohnung in einer Schüssel und bringe deinem Pferd sofort bei eine Belohnung vorsichtig, langsam und höflich aus deiner Hand zu nehmen. Auch das lernen sie schnell. 


Es gibt aber auch schon mal sehr langsam lernende Pferde.  
Nicht ungeduldig werden ! So wie es verschiedene Menschen gibt, gibt es auch verschiedene Pferde und eines kannst du bei solch einem Pferd lernen  GEDULD  !!!  


Gib’ ihm die Zeit die Dinge zu verstehen und zu Lernen.  

Clicker Training soll Spaß machen und macht es. Das wirst du bald merken,  aber es ist auch kein Zaubermittel oder QUICK- FIX.  

     
                                                    Wichtig !  

Fast jedes Pferd geht am Anfang des ClickerTraining durch eine Lernphase was das Futter betrifft. Lassen Sie sich nicht entmutigen, beachten sie die Anfangsregeln / Tipps zum C.T.  Behalten Sie im Kopf, dass dieses Verhalten zum Lernprozess des C.T. dazu gehören, aber bald verschwindet. 

Achte Sie bei  allen Übungen mit dem Clicker auf  Sicherheit !


Höflichkeit, 

wie Pferde lernen, höflich Futter zu nehmen, nicht zu Rempeln und zu Schubsen

Hier ein Dialog aus der Clickerreiter Mailingliste zum Thema Betteln beantwortet von Yvonne aus Australien mit Bildern demonstriert :

http://www.lemis.com/yvonne/Photos-20031005.html

 

Frage von Gabi:

> Sie hat sich in der letzten Zeit angewöhnt, mich ständig mit dem Kopf zu schubsen, wenn etwas nicht schnell genug geht, sowie Halfter anlegen, Strick losbinden u. dgl.  Das ist natürlich nicht gerade ein Zeichen von Respekt und manchmal auch schmerzhaft. Kann man so etwas wieder weg clickern und wenn ja, wie? Habt ihr vielleicht auch schon mal so ein Problem gehabt

Hallo Gabi, 

Ja, das hab ich grad mit Di  's Melado (und in weniger ausgeprägter Formgelegentlich mit Scarlet),  der ist bzw. war furchtbar ungeduldig und ein Rempler, wenn man ihn lässt. Wir arbeiten jedes Mal dran, wenn ich ihm überhaupt in die Nähe komme. Ich beschreibe mal, was wir alles machen, dann kannst Du Dir rauspicken, was Dir am wünschenswertesten scheint:

1. Zuerst haben wir Kopf abwenden gemacht, um das Leckerli zu bekommen. Du kannst auch die Pose einüben, die ist auch sehr gut für den Aufbau der Rücken- und Halsmuskulatur. Um es ihr beizubringen, führe Deinen ausgestreckte Faust unter ihrem Kinn rückwärts Richtung Hals/Brust und CT für jede Bewegung ihres Kinns rückwärts.

2. Alternativverhalten trainieren. :  Huf auf Brett

Als Steigerung der Kopfabwendeübung kannst Du ja diesen Spaßtrick mit Lemsa einstudieren, und sie zu einem Brett gehen und die Vorderhufe draufsetzen lassen.

3. Höfliches Belohnung nehmen.

Seit gestern habe ich das mit Melado angefangen: ich stehe vor ihm, halte ihm in betonter Geste die offene Hand mit Leckerlis hin. Wenn er danach lippelt, Hand zu und etwas wegdrehen. Sobald Kopf zur Seite geht, CT.

4. Aber weiter: danach Kopfsenken, angefangen mit Tai Chi Wall, dann per direkten Kontakt abwärts am Seil, dann mit Handauflegen auf den Mähnenkamm und inzwischen klappt es meist schon, wenn ich die Hand hebe (anfangs über seinem Mähnenkamm, dann bin ich allmählich etwas zurückgetreten, und jetzt kann ich schon schräg vor ihm stehen). Immer einen oder zwei Schritte Rückwärtsrichten, wenn er loswollte, ehe ich das Signal gab.

5. Viiiiiel Ruhigstehen.

Allmählich aufbauen von nur einer oder zwei Sekunden, bis immer länger. Anfangs musst Du noch sehr nahe an ihr stehen, dann allmählich immer weiter zurück, bei losem Seil, das zwischen Euch hängt, bis Du am Ende des Seils stehen kannst und Pferd steht ruhig mit entspanntem Kopf/Hals. CT, sobald er entspannt stand. Immer wenn er einen Fuß bewegt, wieder zurückrichten an die ursprüngliche Stelle und wieder stehen lassen.

6. Achte auf mich !

Beim führen sehr oft stehen bleiben und darauf achten, dass er sofort stehen bleibt, wenn mein Oberkörper sich aufrichtet, auch viel in Situationen, wo Pferd eigentlich nicht auf Dich achten will, sondern in Gedanken und Wünschen sonst wo ist. Wenn es nicht sofort klappt, einen Schritt zurückrichten und stehen lassen. Das alles ist ein Gedulds- und Konsequenzspiel, aber Melado hat schon riesige Fortschritte gemacht, und wir üben das erst seit einer Woche, allerdings jeden Tag ca. 10 Minuten.

  7. Jetzt haben wir noch Schulterherein dazugenommen.

 Da hat er anfangs aus Unsicherheit recht gegen mich gedrängelt und auch mal zu schnappen versucht. Das solltest Du also vielleicht erst versuchen, wenn ihr mehr Routine miteinander habt und Du gut abschätzen kannst, wann Lemsa sich überfordert fühlt. Melado hat es ziemlich schnell gerafft, weil ich jede Bewegung nach auswärts sofort belohnt habe. Jetzt, nach 2 Sessions, hat er fast Scarlet eingeholt, die das schon eine Woche länger übt als er!! Ist sehr erfreulich, wenn das Pferd so elegant im Schulterherein neben Dir herschwebt, wie tanzen! :-)

 

8. Höflich Belohnungen nehmen

Scarlet hat gestern plötzlich angefangen, nach meiner Hand zu grabschen und wollte das Leckerli nicht mehr so höflich nehmen wie zuvor. Hab sie also mit einer Hand fest am Halfter gefasst, ihr das Leckerli vorgehalten und jedes mal Hand zugemacht, wenn sie auch nur andeutungsweise heftig wurde. Dazu Beruhigend - Verneinendes gesagt, wie "nein, gaaaanz vooorsichtig" und ihren Kopf etwas weggedrückt. Klappte nach ganz kurzer Zeit wieder. Sie fing auch an, unwillig mit einem Vorderhuf zu scharren bzw. ihn nach vorn zu schleudern. Das wurde wieder mit rückwärts richten und ruhig stehen behoben. Ich habe das mal so ausführlich beschrieben, da andere bestimmt auch Probleme in dieser Richtung haben und so vielleicht einige Tipps finden, wie sie weiter vorgehen können.

  Viel Erfolg!

Yvonne    

http://www.lemis.com/yvonne/Photos-20031005.html

Seite braucht etwas lang zum laden, aber es lohnt sich !