CLICKERTRAINING GEGEN SPRITZENPHOBIE

BILDER UND TEXTE

Dusty`s Geschichte

Autsch - Spritzenangst

Gaviora ein Erfahrungsbericht 

alle Texte sind durch Copyright Rechte geschützt


Dusty

Mit dem Clicker gegen Spritzenangst


 

Dusty ist ein 13 Jahre alter Andalusiermix Wallach.

Seine Besitzerin wurde schon beim Kauf gewarnt, dass er sich etwas „ Anstellt “ beim Tierarzt.

Seine Art dies zu tun, äußert sich indem er den Kopf hoch reißt, steigt und versucht sich loszureißen. Spritzen heißt bei ihm Stress für alle Beteiligten.

Wir wollen ihm durch Verhaltensveränderung ( Modifikation ) lernen seine Angst vor Spritzen abzubauen.

Dieser Prozess kann in mehreren kurzen Training Sessions gelöst sein, aber auch ein paar Wochen dauern. Besser sie beginnen mit dem Üben schon einige Zeit vor dem nächsten anstehenden Impftermin.

Das sind unsere Utensilien für die Desensibilisierung auf Spritzen :

1 Frisbeescheibe als Target

1 Clicker als Marker ( Ja - richtig  Antwort )

1 Spritzen OHNE Nadel

1 Applikator für Wurmkur ( leer )

weitere sind :

1 Flasche mit Alkohol

1 Kugelschreiber

1 Haargummi

besonders beliebte Belohnungen wie Möhren, Brot und Kraftfutter

   

Als erstes erweist es sich als sinnvoll, einem Pferd beizubringen an einem stationären Punkt (Target) stehenzubleiben. Das kann eine alte Flasche sein, ein Eimerdeckel oder irgend ein anderer Gegenstand.

   

Wir haben eine Frisbee gewählt und diese an einer Wand fixiert.

   

 

Dusty ist schon auf den Clicker konditioniert und beginnt zu lernen an einem Target  (Zielpunkt )  stehen zu bleiben.

Jedes Berühren des Target wird geclickt ( als ja das ist richtig markiert ) und dieses Verhalten mit Belohnung positiv verstärkt. ( C/B )

C/B = Click und Belohnung

 

   

Dann beginnen wir die Dauer des Ruhig stehen bleibens auszudehnen. Jedes länger stehen bleiben bekommt ein C/B .

Ziel ist unter anderem das Pferd an einem Ort zu fixieren und diesen Ort absolut positiv zu besetzen.

Dieser Ort sollte dann auch der Platz sein, an dem das eigentliche Impfen die ersten paar Mal stattfindet.

 

   

Dusty bleibt mittlerweile vollkommen ruhig bis zu mehreren Minuten an „ seinem“ Ort ( Target ) stehen und wir können mit der eigentlichen Desensibilisierung starten.

Als erstes stellen wir ihm den Geruch von Alkohol vor, was aber zu keiner nennenswerten Angstreaktion führt. Also wissen wir, dass Alkohol nicht der Auslöser ist.

 

   

Jetzt beginnen wir die üblichen Impfstellen, wie Brust und Hals erst einmal abzustreichen, abzudrücken, Blut in einer Halsvene zu stauen. Dusty zeigt gleich dabei gewisse Abwehrreaktionen, reißt den Kopf hoch, weicht zur Seite. Also wissen wir, das hier schon leichte aversive Reize aufgelöst wurde und arbeiten daran.

   

Dusty ist anfangs skeptisch, bleibt aber ruhig, als wir ihn mit dem spitzen Teil des Applikators berühren und pieken. C/B, für jedes ruhig bleiben und tolerieren.

   

Mit Fortschreiten der Session, vielen Clicks und Belohnungen legt sich aber sein Abwehrverhalten und seine Toleranz und Gelassenheit nimmt zu.

   

Die Besitzerin von Dusty übt fleißig täglich weiter mit ihm. Immer wieder kurze Trainingssession von 10 - 15 Min. Dusty lässt sich mittlerweile problemlos ohne zu zucken an allen typischen Impfstellen mit den Spritzen OHNE Nadel pieken .

   

Die Kriterie für das Pferd ein C/B zu bekommen, bleibt immer gleich.

Es soll ruhig stehen bleiben und sich entspannen. Erst wenn es dies kann, gehen wie einen Schritt weiter in der Herausforderung.

   

Jetzt erhöhen wir noch einmal den unangenehmen Reiz, indem wir die Spitze eines Kugelschreibers nehmen und damit seine Haut berühren, manipulieren und pieken. Mal stärker, mal schwächer.

   

Dusty wird zusehens besser und schafft es bei all dem ruhig zu bleiben.

   

Um ihn auch an etwas schmerzhaftere Berührungen / Reize zu gewöhnen, die ja durch das eigentliche Spritzen entstehen, nehme ich eine Gummiband, was ich anfangs leicht und dann aber immer fester gegen seinen Hals und Brust flitschen lasse. Dusty zuckt anfangs etwas zurück. 

KEIN C/B.

Wird dann auch gegen diese Empfindung desensibilisiert. Jedes Tolerieren und ruhig bleiben, wird mit dem Clicker markiert und großzügig mit Belohnung honoriert ( positiv verstärkt ). Dusty lernt immer besser, dass es sich für ihn lohnt auch etwas unangenehme Prozeduren auszuhalten.

   

Bei dieser ganzen Arbeit mit Dusty ist uns immer wieder aufgefallen, dass er meist erst einmal skeptisch reagiert, wenn sich ihm irgend jemand Fremdes von der Seite nähert.

   

Also arbeiten wir mit verschiedenen Personen, die Dusty fremd sind. Wir lassen diese sich nähern, ihn berühren und beginnen dann auch mit typischen Berührungen des Tierarztes , wie Venen suchen, Venen abdücken, etwas die Haut manipulieren.

Bei jedem Schritt, den Dusty in die von uns gewünschte Richtung macht, erhält er C/B.

Bleibt Dusty ruhig, wenn eine fremde Person auf ihn zugeht C/B.

Bleibt er ruhig, wenn sie ihn auch mal abrupt am Hals berührt C/B.

Ist er unruhig, verlangsamen wir die Schritte, stellen kleinere, leichtere Aufgaben und verstärken aber IMMER das Verhalten das eine Verbesserung in Richtung entspannt bleiben zeigt.

 

   

 

Das Kopfsenken auf Signal ist eine weitere wichtige Übung, die wir Dusty beibringen.

Durch das tiefe Kopfsenken kommt das Pferd automatisch in einen Entspannungszustand.

Man sieht das sehr gut an Dusty` s dösigen Blick.

Also kommt es während Untersuchungen zu Anspannungen kann man hierdurch dem Pferd helfen sich wieder etwas mehr zu relaxen.

Nachdem Dusty alles gelernt hat, was ihm helfen kann seine Angst vor dem Impfen im Griff zu behalten, bestellen wir die Tierärztin.

 

   

 

Dusty ist bei unserem ersten Versuch wieder etwas skeptisch. Seine alten Befürchtungen zeigen sich bedingt. Noch einmal zieht er etwas zurück und versucht sich zu befreien. Reagiert aber lang nicht mehr so hysterisch, wie früher.

Auf solch eine Reaktion sollte man durchaus gefasst sein und nicht frustriert reagieren und die Flinte ins Korn werfen.

Das neue Verhalten muß sich auf in der eigentlichen Impfsituation erst festigen.

 

 

   

Wir bleiben dran und die  Tierärztin kann ihn wieder für Annäherung C/B und belohnen.

   

Wenn sie einen sehr kooperativen Tierarzt haben, ist es sinnvoll die Anwesenheit und eifache Untersuchung OHNE Spritzen, erst noch einmal positiv zu verknüpfen. Duldet es die Annäherung C/B. Lässt sich das Pferd vom TA berühren C/B. Lässt es sich etwas untersuchen z.B Abhören C/B.

   

 

Wir können Dusty impfen.

Er ist noch nicht wirklich relaxt, aber wir konnten eine deutliche Besserung sehen.

Bei vielen Pferden hilft diese langsame Desensibilsierung und bringt sofortigen, durchschlagenden Erfolg.

Sollte es zu Rückfällen kommen, bitte nicht verzweifeln, sondern unbeirrt weiter machen !

Selbst leichte Tendenzen zur Verbesserung sind FORTSCHRITTE !

Verlieren sie nicht die Geduld und bleiben sie ruhig und konsequent.

Es sollte sich eine deutliche Tendenz zur Besserung zeigen. Manche Pferde brauchen einige Impftermine bis sie ihre Angst völlig vergessen. Manche Pferde bleiben ihr Leben lang etwas nervös beim TA, aber sind durchaus zu behandeln und das ist immer noch ein großer Fortschritt.

So stehen die Chancen sehr gut ihr Pferd auch bei tierärztlichen Behandlungen zu einem zuverlässigen Partner zu machen

Ich bedanke mich für das Vertrauen von Christine Essl, die mir ihren Dusty anvertraute und geduldig mit ihm weiterarbeitet. Bei meinem Mann, der die Bilder fotografierte und bei unserer Tierärztin Frau Götz, die mich und die Methode Clickertraining  (Verhaltensmodifikation ) immer beführwortet und unterstützt. BACK


AUTSCH !  - Spritzenangst 

Ein Weg zur Bewältigung der Angst vor Spritzen durch Verhaltensmodifikation

                                                              geschrieben von Christiane Müller

Nichts ist nervenaufreibender und frustrierender, als ein Pferd, dass schon beim Anblick des Tierarztes in Hysterie verfällt, geschweige denn sich eine Spritze verpassen lässt. Ein bloßes Anfassen, Untersuchen oder erst recht spritzen wird zu einem lebensgefährlichen, schweißtreibenden Unterfangen. Alle sind am Ende der Nerven und mit jedem Tierarzt Besuch werden die Dinge schlimmer. Der Halter überlegt sogar lieber sämtliche Impfungen einzustellen, als sich diesen Affenzirkus jedes Mal anzutun. Was ihn aber meist davon abhält, ist der Gedanke: 

" Was, wenn das Pferde sich wirklich mal ernsthaft verletzt und unbedingt sediert werden muss, um einen Wunde zu nähen????"

In solch einer Situation möchte man nichts lieber, als seinen nervigen Hysteriker gegen den eigentlich so „langweiligen“ Haflinger der Boxennachbarin eintauschen, der nicht einmal zuckt beim Impfen.

Fast jeder Pferdehalter hat selbst oder in seinem Umfeld schon solche Eskalationen mit Hufschmied oder Tierarzt miterlebt.

Auf der Suche nach Lösungen erhält der verunsicherte Besitzer jede Menge Ratschläge wie Nasenbremse, Augen verbinden, Dominanztraining, das Pferd fixieren aber oft wird alles nur schlimmer.

Eine sehr erfolgreiche und viel angewandte Methode zur Auflösung von Spritzenangst, Phobien und fast jeglichem anderen Problem rund um Pferde ist die

 „Verhaltensänderung oder Verhaltensmodifikation “ 

Der Begriff  Verhaltensmodifikation kommt aus der Verhaltenstherapie und bedeutet :

Ein abnormales oder unpassendes Verhalten zu löschen oder zu hemmen, durch positive Verstärkung von erwünschtem Verhalten.

Die Verhaltensmodifikation wird seit langer Zeit  erfolgreich bei Elefanten, Delfine, Haustiere, ebenso auch bei Menschen ( z.b Suchttherapie)  von Psychologen und Tierverhaltenstherapeuten angewendet.

Die Methode der Verhaltensmodifikation ist einfach. Alles was sie dazu brauchen  ist Geduld, einen vorher durchdachten Trainingplan, die konsequente Anwendung der Prinzipien der Verhaltensänderung und wohlschmeckende Belohnung. ( siehe unten )

Mit ein bisschen Geschick kann diese Methode jeder lernen und anwenden.

Ist die Technik der Verhaltensmodifikation einmal verstanden, haben sie  ein machtvolles Werkzeug für alle zukünftigen Trainings- und Problemsituationen in den Händen. Selbst  schwierige Pferde können lernen willig tierärztlichen Untersuchungen zu dulden und wieder Vertrauen zu fassen.

Die bewusste Anwendung von Lernprinzipien ermöglicht es ihrem Pferd  Impfungen und andere Untersuchungen zu tolerieren und wieder zu einem angenehmen Pferd werden. Man kann beobachten, das Leute, die man als gute Pferdeleute und erfolgreiche Trainer erlebt, genau diese einfachen Prinzipien anwenden.

Das Hauptprinzip der Verhaltensmodifikation ist belohne / verstärke das richtige Verhalten und ignoriere das unerwünschte !

Forme/ modifiziere Sie so das Verhalten des Pferdes in die gewünschte Richtung !

Folgende Punkte sind das A und O dieser Methode :

  1. Ziel ist, dass das Pferd lernt, dass die Behandlung oder das Spritzen wirklich nicht soooo weh tun.
  1. Einfache Widerstände oder logische Abwehrreaktionen führen nicht zum Abbruch des Trainings
  1. Tolerieren und Dulden der Manipulation durch den Trainer führt IMMER zu einer Belohnung !   Also, sich anfassen und behandeln  zu lassen – bringt Belohnung!

Diese Resultate sind Erfolge durch Lernen !

Jedes an Menschen gewöhnte Pferd oder Fohlen verhält sich ursächlich neutral bei Untersuchungen des Tierarztes. Ob es Widerstände und Angst aufbaut, hängt einzig und allein davon ab, ob es die Situation als negative und unangenehm erfährt. Genauso verhält es sich mit vielen Situationen wie z.b dem Beschlagen oder Hängerfahren.

Leider werden im Umgang mit Pferden bei unvorsichtigem, unbedachten  Vorgehen sehr schnell negative Wahrnehmungen mit Situationen und Personen verknüpft. Ungewollte negative Konditionierungen finden statt.

Es kommt soweit, dass alleine die Stimme des Tierarztes oder aber auch das nervöse Verhalten des Besitzers Unruhe und Abwehrverhalten auslösen.

Aber gerade das bestätigt die gute Lernfähigkeit des Pferdes !

Die Verhaltensmodifikation macht sich diese Lernfähigkeit  zu Nutze :

Wenn also das Pferd lernt Dinge als negativ einzuordnen und entsprechend darauf zu reagieren, kann es genauso auch lernen Dinge wieder als positive wahrzunehmen und seine Verhalten neu zu justieren.

Das genau das ist die Aufgabe der Verhaltensmodifikation

Erste Schritte

Als erstes sollte man aufhören mit dem Pferd zu kämpfen. 

Man beginnt daran zu arbeiten das ursächlich negative, angstvolle Verhalten Schritt für Schritt dahin zu verwandeln, dass das Pferde lernt den Besuch des Tierarztes ohne großes Aufheben zu tolerieren.

Es wird nicht mehr gegen das unerwünschte Verhalten, sprich gegen das Pferd und seine Reaktionen gekämpft, sondern das Gewicht wird darauf gelegt, dem Pferd in kleinen Stücken klar zu machen, dass Spritzen nicht WIRKLICH SOOOO SCHLIMM sind.

Hierbei wird jeder, wenn auch anfangs noch so kleine Fortschritt belohnt und zwar mit wirklich gut schmeckenden Leckerlis oder noch besser kleinsten Portionen Kraftfutter.

Sollten Problem mit dem Betteln entstehen kann man die Belohnungen in einer Schüssel geben, aber ein Pferd sollte AUCH lernen Belohnungen höflich zu nehmen !

Bitte raufen sie jetzt nicht die Haare wegen der Belohnung, die Erfahrung zeigt immer wieder, das sich die  Bemühungen des Pferdes durch ein Stück Möhre mehr steigert, als für ein schlappes Wortlob oder Klopfen am Hals.  Das hat auch nichts mit Bestechung zu tun, sondern lehnt sich an die wissenschaftliche Erkenntnis an, dass sich ein Verhalten immer mehr verbessert, wenn die folgende Konsequenz für das Pferd möglichst angenehm ist. Das Pferd muß erst eine gewünschte Leitung bringen, erst dann erhält es dafür eine Belohnung.

In der Verhaltensmodifikation spricht man davon richtiges Verhalten positiv zu verstärken.

Um dem Pferd wirklich sehr präzise klar zu machen, welches Verhalten genau das erwünschte ist, wird jeder erfolgreiche Schritte des Pferdes, mit einem Clicker oder einem Wortlob z.B. „Gut"  markiert und SOFORT !  belohnt.

So macht das Pferd schneller und leichter die nötige Verknüpfung zu seinem richtigen Verhalten. Das Pferd lernt, dass sich Bemühen seinerseits auszahlt und zu einem positiven, angenehmen Ergebnis führt. Seine AKTIVE Mitarbeit wird belohnt und somit verstärkt.

Der Weg zum Ziel ist jeden dabei nötigen Schritt so lange zu wiederholen und positiv zu verknüpfen, bis das Pferd das einzelne Element als positiv empfindet. Die einzelnen Elemente werden dann zusammengesetzt.

Wie viele Wiederholungen und wie viel Zeit es braucht, hängt vom Pferd /Besitzer ab und dem Zeitdruck unter dem man u.U. steht.

Besser ist die Phasen zwischen den Impfpause zu nutzen um die Wahrnehmung des Pferdes hinsichtlich von Impfungen zu verändern und NICHT unter Zeitdruck zu stehen.

Je öfter die nötigen Schritte positiv verstärkt werden desto besser.

Zur Warnung sei zu sagen :  Es ist sinnvoll auch mit kleineren Rückschlägen zu rechnen. Das verhindert Frustration, Wut und Ärger. Trotzdem werden sie erleben, das die Dinge mit jedem Mal besser werden. 

Bewahren sie ihre Gelassenheit. Flippen sie nicht aus  ! Das bestätigt das Pferd nur in der Annahme, dass das Spritzen ein ECHTES Problem sind .

Bevor man mit dem Training beginnt, sollte man:

1.         Versuchen soviel wie möglich über die Ursache, bzw. Auslöser der Angst in Erfahrung zu bringen, um sich einen Trainingsplan mit allen nötigen Schritten zu erstellen. Schreiben sie die einzelnen geplanten Schritte auf und besprechen sie diese mit ihren Helfern. Um so klarer ist, welches Verhalten verstärkt werden soll und welches nicht, desto schneller wird dem Pferd die Regeln des „Spiels“ klar und es geschieht effektives Lernen.

2.         Wie klein die Trainingschritte sein müssen, hängt von dem jeweiligen Pferd oder der jeweiligen          Stärke der Angst ab. Die Schritte könnten so aussehen :

Es kann sein, das schon alleine die Anwesenheit des Tierarztes in der Stallgasse das Pferd nervös macht und so beginnt die Arbeit an diesem Punkt. Das Pferd soll erfahren das die Person / Stimme des Tierarztes mit etwas angenehmes gekoppelt wird. Es findet eine Art Gegenkonditionierung statt. Tierarzt  = Belohnung = angenehmes Event ) Ist man hier erfolgreich, wird der nächste Schritt - das Tolerieren des  Tierarztes in der Nähe des Pferdes verstärkt / belohnt. Dann das sich Berühren lassen, mit Alkoholtupfer abwischen, Manipulationen der Haut, sowie das Einspritzen. Jeder Trainingsschritt, auch das eigentliche Spritzen sollte positiven beendet werden.

3.         Die eigentlich möglicherweise etwas unangenehme Erfahrung wie den Einstich der Spritze sollte zumindest am Anfang so schmerzarm wie irgend möglich sein. Also, die Verwendung von möglichst kleinen Nadeln / Spritzen ist anfangs sinnvoll. Hat es den Umlernprozess erfolgreich abgeschlossen, wird auch die Verwendung größerer Nadeln wieder möglich. Das Spritzen wird  zwar immer leicht unangenehm sein, doch sollte es nie so schmerzhaft sein, dass der Fluchinstinkt ausgelöst wird. Ein normalerweise gut behandeltes Pferd, kann lernen das richtig einzuordnen.

4.         Schützen sie sich je nach der Stärke des Aversionsverhaltens ( Steigen, Ausschlagen, Umrennen) ausreichend durch Sicherheitsausrüstung, wie festes Schuhwerk , Kopfschutz, notfalls sogar mit einer Sicherheitsweste. Alleine das Gefühl von größtmöglichem Schutz kann schon die nötige Ruhe bei der Arbeit garantieren

5.         Das Pferd sollte mit einem gut sitzenden Halfter und einem genügend langen Strick ausgestattet sein. Dem Pferd sollte ein gewisser Bewegungsspielraum möglich sein. Möglicherweise ist eine Führkette ( in Tellington Verschnallung) anzubringen, aber nur für die, die damit umzugehen wissen. Alle zusätzlichen Schmerzen sollten unbedingt vermieden werden !!! Sie führen nur zu weiterer Eskalation !

6.         Das Training sollte an einen ruhigen Ort mit ausreichender Bewegungsfreiheit für Pferd und Mensch stattfinden ohne Zuschauer oder andere Störungen ( Handys sind auszuschalten, Hunde wegzusperren). Ein anderes ruhiges Verlasspferd kann in der Nähe angebunden oder gehalten werden, wenn es zur allgemeinen Entspannung der Lage beiträgt.

7.         Das Übungsareal sollte sich auf gutem rutschfreien Boden befinden und frei von jeglichen Hindernissen sein, an denen sich Pferd oder Trainer verletzten können.  Es hilft der Sache nicht weiter, wenn das Pferd in Panik ausrutscht, niederstürzt und sich dabei verletzt.

8.         Von Vorteil ist es eine andere Person als Assistent dabei zu haben. Dieser Assistent sollte genügend Pferderfahrung haben, um ruhig und gelassen bleiben zu können. Sie reicht die Utensilien und ist für mögliche Notfälle zuständig. Es ist aber auch durchaus möglich das Training alleine zu bewerkstelligen, wenn man auf die oben genannten Sicherheitsvorkehrungen achtet und die Schritte klein hält.

9.         Wichtig ist sich und den möglichen Assistenten klar zu machen, das durch angstvolles Verhalten der Anwesenden die Unsicherheit des  Pferdes durchaus verstärkt werden kann. Beispiel:  Sobald das Pferd zuckt, zuckt der Mensch zurück oder wenn dauernd der Atmen angehalten wird und körperliche Spannung aufgebaut wird. Deshalb suchen sie sich eine Person, die wirklich keine Angst auf das Pferd überträgt. Sonst  kann so was auch schnell in ein nettes Spiel ausarten:  Das Pferd hüpft, sein Mensch hüpft.  So werden keine Erfolge erzielt! 

Auch unnötiges auf das Pferd einreden und das noch mit hysterischer Stimme, kann die Dinge eher schlimmer machen. Besser ist es ganz bewusst und gezielt ein schon konditioniertes Lobwort oder den Clicker IMMER im RICHTIGEN Moment einzusetzen. Der Clicker gibt dem Pferd Informationen und bleibt neutral.

10.      Der Trainer sollte vor Beginn alle Trainingsutensilien wie Clicker, Spritzen, Alkohol, Belohnungen in Westen -  oder Bauchtaschen verstauen oder griffbereit hinlegen.

11.      Wichtig ist es am Pferd dran zu bleiben und mitzugehen, wenn es etwas zurückzieht oder zuckt, dann NICHT aufhören, sonst lernt das Pferd Zurückziehen – bewirkt Beendung der Behandlung!  Sollte das Pferd stark abwehrendes Verhalten zeigen, waren die vorbereitenden Schritte noch nicht wirklich bewältigt.                                              

12.      Wenn es zum eigentlichen Spritzen kommt, versuchen sie nicht jetzt die Sache möglichst schnell hinter sich zu bringen, sondern bleiben sie ruhig, gelassen und vollenden sie  beständig den Prozess. Hektik am Ende erzeugt mehr Schaden als Nutzen. Sollte das Pferd wunderbar durch die einzelnen vorbereitenden Schritte gegangen sein, das eigentlich Spritzen aber wieder nicht zulassen wollen, ist es durchaus besser das Pferd kurzfristig durch Futter z.b. in einem Eimer abzulenken, um so den Erfolg komplett zu machen, als abzubrechen. Das gilt aber nur, wenn es sich nur noch um eine leichte Angstanwandlung handelt, so um den letzten Anstoß zur Überwindung der Angst zu geben und dieses gute Gefühl mit in die nächste Impfsituation mit hinüber zu nehmen.

13.      Hat das Pferd massive Probleme, sollte man auf keinen Fall alles vorherige Training durch einen plötzlichen Kampf und Zwang mit dem Pferd beenden wollen. Sonst kommt es zu einem noch stärkeren Rückfall. Hier ist wirklich Geduld, Ausdauer  und kleine Schritte gefragt. Vertrauen sie auf das Wissen, wenn ein negatives Verhalten gelernt wurde, kann es genauso ein neues, richtiges Verhalten erlernt werden. Also, lieber noch ein paar Schritte langsamer gehen und erst weitermachen, wenn das Pferd diesen Schritt wirklich entspannt zulassen kann.

Was ist mit echten Rückfällen?

Es kann dazu kommen. Geben sie trotzdem nicht auf und beginnen sie noch einmal von vorne. Es lohnt sich! Mit jeder Runde wird das Pferd „weiser “. Es ist immer noch besser ein etwas sensibles Pferd zu haben, als einen totalen Hysteriker der zur Gefahr wird und möglicherweise eingeschläfert  werden muss.

Soll ich eine Nasenbremse verwenden?

Nasenbremsen haben richtig angelegt den Vorteil Druck auf sensitive Nervenenden der Nase auszuüben und dabei beruhigende Stoffe vom Gehirn ins Blut zu übertragen. Man sieht wie die Pferde dann eine kurze Zeit einen etwas dösigen Ausdruck im Gesicht annehmen.

Das Problem ist nur, dass diese Stoffe nach ca. 10 – 15 Min sehr rapide aus dem Blut verschwinden und die Pferde meist sofort anfangen gegen die Nasenbremse zu kämpfen und rumzuspringen.

Also sollte man einerseits das Pferd auch schon vorher an das Anlegen der Nasenbremse durch Verhaltenmodifikation gewöhnen und andererseits sie nur verwenden, wenn die Behandlung kurz und nur leicht schmerzhaft ist. BACK


 

NOCH EIN ERFAHRUNGSBERICHT ZU DIESEM THEMA

Gaviora`s Geschichte:

Manchmal kann sich eine Spritzephobie wie aus heiterem Himmel und ohne für uns ersichtlichen Grund entwickeln. So wie bei meiner Paso Stute Gaviora im Alter von 3 Jahren.

Bislang hatte sie ihre regulären Impfungen ohne Probleme empfangen. Kurz vor dem Beginn ihrer Angstattacken hatte sie einen leichten Kolikschub, der ein paar Spritzen mit sich brachte, die aber ohne erkennbare Aufregung möglich waren.

Ein paar Wochen vergingen und ihr regulärer Impftermin stand an. Doch auf einmal war alles anders, sobald sich die Tierärztin näherte, begann meine Stute zurückzuziehen. Um so mehr wir versuchten sie zu beruhigen, desto wilder und nervöser wurde sie.

Wir schafften die Impfung, aber es war ein mittlerer Kampf. Noch Tage danach fühle sie sich unsicher an dem Ort, wo die Impfung stattgefunden hat und beobachtete mißtrauisch die Tür.

Ab diesen Moment genügte schon der Anblick der Tierärztin, um sie zum Ausflippen zu veranlassen.

Ich arbeitete schon seit vielen Jahren mit dem Clickertraining ( Verhaltensmodifikation)

Bis jetzt  hatte ich beim Clickertraining immer die andere Seite erlebt, wie schnell Pferde gute und brauchbare Dinge lernen können. Deshalb war es für mich, trotz der Probleme, eine interessante Erfahrung mitzuerleben, wie schnell ein Pferd auch negatives Verhalten erlernen und mit Orten und Personen verknüpfen kann. Ein paar Minuten können ausreichen, um schwere Probleme entstehen zu lassen.

Ich hoffte das vielleicht der nächste Impftermin unkomplizierter verlaufen würde und sie vielleicht alles vergessen hätte. Natürlich war das nicht der Fall und Gaviora wurde nur noch früher unhändelbar. Jetzt war mir klar, dass unbedingt etwas geschehen musste. Da ich wusste, dass Gaviora`s Abwehrverhalten mit der Person der Tierärztin verknüpft war,  überlegte ich selbst das Spritzen zu erlernen. Zu mir hatte Gaviora Vertrauen und ich hätte mich in Ruhe der Sache annehmen können. Schnell wurde mir aber klar, dass das keine wirkliche Lösung war. Was wäre, wenn sie wieder eine Kolik haben sollte oder sonst eine Erkrankung oder Verletzung ??

Ich überlegte was es war, das diese Abwehrreaktion erzeugte. Es war nicht die Spitze an sich, sondern entweder Geruch oder Stimme der Tierärztin, schon bei ihrem Erscheinen war Gaviora sofort unruhig und bei dem Versuch der Annäherung nicht mehr zu halten.

Ich wollte an dem Problem arbeiten und die Tierärztin wäre auch bereit gewesen mit ihr einige extra Trainingssessions einzubauen. Um das aber erst einmal zu vermeiden, überlegte ich ihre Stimme auf Tonband aufzunehmen und mein Pferd darauf zu desensibilisieren. Aber auch das verwarf ich.

Ich begann mir Literatur zu besorgen und fand Texte über Delfinen, denen man wöchentlich Blut abnahm. Sie wurde darauf trainiert auf eine Trage zu schwimmen, aus dem Wasser gehoben zu werden, ruhig Untersuchungen über sich ergehen zu lassen und ihre Rückenflosse für die Blutentnahme stillzuhalten. Für die Tiere war es lebensnotwendig, dass diese Untersuchungen gemacht wurden und es war wichtig sie OHNE Narkose machen zu können, da dies oft zum Tod der empfindlichen Tiere führte. Fasziniert las ich, wie dieses Training aufgebaut wurde und übernahm die brauchbaren Details in meinen Trainingsplan.

Es konnte losgehen.

Als erstes brachte ich Gaviora bei, sicher und zuverlässig an ein Target ( Zielpunkt ) zu kommen und dort stehen zu bleiben, egal was passiert. In unserem Fall war es mein Fausttarget  (Pferdemaul muß den Rücken der Faust berühren ). Zusätzlich brachte ich ihr auch bei an einem stationären Target ( ein an der Wand angebrachter Plastikeimerdeckel ) stehen zu bleiben. Für jedes Berühren des Targets gab es C/B ( 1 Click / Belohnung 1 Scheibe Möhre). Bald war das Verhalten sehr stabil und auch die Dauer ( 2 Min ) schon lang genug.

Dann übte ich verstärkt das Kopfsenken, um bewusst einen Entspannungszustand herbeiführen zu können.

Jetzt konfrontierte ich sie mit dem Geruch von Alkohol, wobei sich aber keine Angstreaktion zeigte. Oft werden ja Gerüche zum Auslöser von Angst, weil sie mit der ursprünglichen Angstsituation verknüpft sind. Alleine der Geruch beim Zahnarzt kann Angst auslösen oder der angenehme Duft an Lavendel warmherzige Gefühle auslösen, da die geliebte Oma immer solch ein Geruch umgab.

Aber der Geruch war nicht ihr Problem. Also begann ich an den üblichen Impfstellen, Hals und Brust zu manipulieren, diese abzuklopfen, zu zwicken, mit einem Kuli zu pieksen. Für jedes ruhig stehen bleiben am Target gab`s C/B . Auch das war nicht das eigentliche Problem.

Dann holte ich mir irgendwelche Gaviora nicht bekannte Personen und ließ sie spontan auf sie zu gehen und Richtung Hals fassen, das war schon eher ein Punkt, an dem sie mit Unsicherheit und Nervosität reagierte. Diese bestimmte Art sich ihr zu nähern und sich an ihrer Halsseite zu schaffen zu machen war verknüpft mit unangenehmen Gefühlen. Jetzt war es wichtig diese Wahrnehmung und ihr nervöses Verhalten zu modifizierten und mit positiven Empfindungen neu zu verknüpfen. In dieser Phase ging ich bewusst langsam und vorsichtig vor, benutzte besonders beliebtes Futter, wie Kraftfutter. Bald stand sie gelassen da und ließ sich überall an den in Frage kommenden Stellen berühren und pieksen.

Es wurde Zeit für einen Testlauf, aber noch ohne wirkliche Impfung. Ich machte mir bewusst, dass es wichtig war selbst ganz bewusst ruhig zu atmen und relaxt zu bleiben.

Die Tierärztin sollte sowieso kommen, um andere Pferde im Stall zu untersuchen.

Als Gaviora ihre Stimme hörte waren die alten Vorbehalte sofort präsent. Ich ließ Gaviora bewusst ganz in der Nähe stehen, während die Tierärztin mit mir sprach und die anderen Pferde untersuchte. Gaviora` s Unruhe legte sich schnell. Am Ende der Untersuchungen ließ ich Gaviora zu meinem Handtarget kommen, während ich dicht bei der Tierärztin stand und bat sie ihr nach jedem Click Futter zu geben. Gaviora war skeptisch, blieb aber stehen und duldete die Nähe.

Der Versuch sie berühren zu wollen, führte aber zum zurückweichen. Ich ließ sie ein paar mal auf tiefes Ausatmen von mir ( das Signal zum Kopfsenken) den Kopf senken und so relaxen. Nach ein paar Versuchen, blieb sie aber stehen und ließ sich auch schon von der Tierärztin berühren. Das war Grund für ein Futter Jackpot mit besonders viel Futter und wir ließen es dabei bewenden. Ein kleiner Erfolg war erzielt.

Einige Zeit später hatte Gaviora eine leichte Augenentzündung. Für mich wieder ein  Anlass eine Trainingssession mit Tierärztin, aber noch ohne spritzen, durchzuführen.

Wieder war anfangs Skepsis im Spiel diesmal aber nur sehr kurz. Gaviora kam zu meinem Handtarget, ich stand neben der Tierärztin, sie musste also kommen. C/B.

Dann belohnte die TA sie für das ruhig stehen. Ein paar mal Kopfsenken förderte ihre insgesamte Entspannung. Anfassen ließ sie sich auch wesentlich besser und dann ganz vorsichtig die Augen untersuchen. C/B.

Wir beschlossen als Therapie nichts zu spritzen, sondern allein Salbe zu verwenden.

Was für mich in den nächsten Tagen wieder ein neues Trainingsfeld wurde. Gaviora musste lernen denn Kopf ruhig zu halten, sich das Augenlid aufziehen und sich die Salbe applizieren zu lassen. Sehr bald kein Problem mehr !

Gaviora hatte jetzt mehrfach die Erfahrung gemacht, dass die Anwesenheit der Tierärztin sehr angenehme Empfindungen und KEINE Schmerzen  bedeutete, super leckeres Kraftfutter mit ihrer Stimme gekoppelt war.

Also waren wir soweit eine wirkliche Impfung zu starten.

Die Tierärztin kam, Annäherung kein Problem, Berühren kein Problem, beim Einstechen gab es  leichtes Abwehrverhalten aber lange nicht mehr in dem gekannten Maße.

Beide waren wir froh einen deutlichen Fortschritt erzielt zu haben.
Es ist ein wichtiger Punkt zu erwähnen, dass man bei solchen Problemen trotz noch so sorgfältigem Training nicht erwarten sollte, dass alles sofort perfekt leicht und unkompliziert klappt. Durch mehrere Erfahrungen weiß ich mittlerweile, das sich solche Situationen langsam und mit jedem mal bessern. Also sollte es zu Rückfällen kommen nicht verzweifeln, frustriert sein und die Flinte ins Korn werfen, sondern ruhig so weiter üben wie geplant. Selbst leichte Verbesserungen sind ERFOLGE auf dem Weg ein völlig relaxtes Pferd im Umgang mit dem Tierarzt zu bekommen.

Genauso war es auch bei Gaviora bei jedem Impftermin wurde es in deutlichen und großen Schritten besser. Langsam verankerte sich in ihr das Gefühl das Tierarzt und Spritzen nicht wirklich schlimm sind und man sah richtig, wie irgendwann das Pferd aus dem Instinktmodus in den Bewusst – Wahrnehm – Modus schaltete, tief durchatmen und sagen: „Na, wenn das alles war ?“

Schon beim 3. Impftermin war Spritzen kein Thema mehr für sie.   

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Weitere Infos zur Verhaltensmodifikation ( Clickertraining) mit Pferden finden Sie unter:

http://www.clickerreiter.de