CLICKERREITER



 

Pferdeerziehung mit Positiver Verstärkung - Das Clicker -Training


EIN 
ERFAHRUNGSBERICHT 
VON 
    SUSANNE  KLEBBA
mit ihrer Islandstute VIGDIS

Mittlerweile als Artikel in der FS ( Freizeit im Sattel erschienen ) Oktober Ausgabe

 

Clicker -Training ist ( Pferde -) Erziehung mit Hilfe der positiven Verstärkung (ein gewünschtes Verhalten wird belohnt), eine Methode der Tierausbildung, die wie so viele alternative Methoden in den USA
entwickelt wurde. Alexandra Kurland entdeckte sie als geeignet für die Pferdeausbildung und mittlerweile erobert diese Methode auch Deutschland und Österreich. Leider gibt es bisher nur ein Trainingszentrum in Deutschland, sehr zum Leidwesen von uns Nordlichtern in Süddeutschland gelegen. Die Inhaberrinnen Christiane Müller und Monika Holzhauser (die Verfasserrinnen Ihrer fs-Beiträge in 2000) haben aber Anfang des Jahres das erste deutschsprachige Internet-Forum ins Leben gerufen, sodass wir wenigstens per email miteinander kommunizieren und uns austauschen können (weitere Infos über www.clickerreiter.de).

Ich möchte hier meine mittlerweile fast zweijährige Erfahrung mit dem Clicker -Training darstellen.

Ich kaufte meine Isländerstute VIGDIS knapp sechsjährig, sie war eingeritten, wie sich aber zeigen sollte eher verritten. Mit Hilfe einer Trainerin habe ich erreicht, dass sie wenigstens entspannten Tölt unter dem Sattel ging, einige Fortschritte bezüglich ihres Benehmens hatte ich auch mit herkömmlicher Erziehung erreicht, aber nach 2 Jahren zog ich insgesamt eine enttäuschende Bilanz:

*       sie war immer noch nicht zuverlässig schmiedesicher: hatte offensichtlich Probleme mit ihrem    Gleichgewicht beim Hufe geben, schwankte , Muskeln zitterten, sie gab das falsche Bein trotz Berührung
des richtigen, konnte die Beine nicht ruhig hoch halten
*       sie konnte nicht geschlossen stehen, sondern musste ständig die Beine umstellen
*       entlastete kein Bein beim Schlafen
*       stand immer noch nicht still, sondern "hibbelte" herum (Ausnahme angebunden am Strick)
*       wurde panisch, sobald sie bestraft wurde, schon eine laute Stimme ließ sie verkrampfen
*       wenn sie einmal eine andere Gangart als Tölt oder Schritt gegangen war, ging sie nicht mehr  entspannt, sondern zackelte und wechselte und tänzelte und ließ sich nicht anhalten mit normalen
Paraden, auf die sie vorher noch gehört hatte
*       traben konnte sie immer noch nicht
*       die Gangart Galopp war immer noch nicht akzeptabel, aus dem Tölt heraus sprang sie meistens in den Kreuzgalopp
*       sie ging nicht durch Pfützen und hatte panische Angst vor Wasserflächen

Durch Zufall erfuhr ich genau zu dieser Zeit von der internationalen einzigen Pferde - Clicker -Liste im Internet, kaufte mir das dort empfohlene Buch von Alexandra Kurland auf englisch und wurde Mitglied in
der Clicker -Liste.

Kurze Erklärung des Clickens:

Genau in dem Moment, in dem ein Pferd etwas richtiges macht bzw. das gewünschte Verhalten zeigt - und wenn es nur für den Bruchteil einer Sekunde ist oder im Ansatz zu erkennen - wird geklickt (mit einem sog. Clicker) und es folgt sofort eine Belohnung, häufig ein Leckerli oder auch ein Mähnekraulen oder ein freundlicher Klaps an den Hals, schon bald weiß ein Pferd, dass der Click + Belohnung nur auf ein bestimmtes gefordertes Verhalten kommt und bietet dieses Verhalten auf Forderung (Stimmbefehl, Körpersprache, Handzeichen) sicher abrufbar wieder an.
Wenn nach dem Befehl sicher die Ausführung folgt, erfolgt der Click + Belohung nur noch Zufallsweise, später wird auch dies fortgelassen und nur noch mit Stimme gelobt und schließlich ist das Verhalten sicher gelernt und benötigt keine Belohnung mehr.
 

Da ich ja wusste wie panisch meine Stute auf Strafen reagierte, dachte ich mir, diese Methode könnte meiner Stute helfen stress- und angstfrei zu lernen. Da ich außerdem wusste, wie gerne meine Stute frisst war ich recht optimistisch.

Aus Neugierde und weil wir sowieso gerade Winterpause hatten, fing ich also an mit der Konditionierung und dann der Bodenarbeit mit den Grundregeln des Clicker- Trainings.

 Schon bald konnte ich feststellen, dass mein Pferd durch diese Methode unglaublich motiviert war zu lernen und ganz begeistert mitmachte. Jetzt begann ich systematisch an ihren speziellen Problemen zu arbeiten:

*       um die Koordination der Beine zu trainieren (neudeutsch: ihr Körpergefühl zu stärken) und den Rücken zu dehnen: Fußballspielen ! Die meisten Pferde lieben es, einen kleinen Ball herumzurollen oder auch wegzuschießen, mit der Nase fast auf dem Boden
*       Pfützen suchen und sich hineinstellen, um schließlich einmal freiwillig auch durch größere Wasserflächen zu gehen
*       Spanischen Schritt um die einzelnen Beine unterscheiden bzw. bei Berührung erkennen zu können
*       Hufe entspannt halten ohne zu zucken
*       still stehen auf Kommando
*       traben lernen
*       galoppieren lernen.
 

Beispiel: Ins Wasser gehen

Was Gerteneinsatz, mehrere animierende Pferde und aufforderndes Vorangehen nicht geschafft haben, brachten die Übungen, freiwillig ging meine Stute in eine tiefe Pfütze, ohne Druck, ohne Aufforderung.

Der erste Schritt: Kopf senken in der Nähe des Wassers, Click + Belohnung, dann ein Schnauben zum Wasser, zweiter Click+Belohnung, und so ging es weiter:

Ohren zum Wasser, Click+Belohnung, Kopf vorstrecken zum Wasser, Click+Belohnung, ein Fuß zuckt nach vorne, Click+Belohnung, ein Bein geht etwas nach vorne, Click+Belohnung.

Schon beim zweiten Üben stellte sich meine Stute mit allen 4 Beinen freiwillig in die tiefste Stelle und planschte!

Heute, nach eineinhalb Jahren 2-3 mal wöchentlichem Clicker -Training:

*       hält sie das richtige Bein hoch, auf Kommando und ganz entspannt
*       beim Beschlag zuckt sie nicht mehr und fällt nicht mehr fast um
*       sie ist in der Lage entspannt auf allen 4 Beinen zu stehen und auch ein Bein im Ruhen zu entlasten
*       beim Tierarztbesuch bewies sie, dass sie minutenlang stillstehen kann, während eine schmerzhafte Hufverletzung behandelt wurde
*       sie trabt mit angenommenem und hingegebenem Zügel, geradeaus und auf dem Zirkel, frei longiert und unter dem Sattel, mit entsprechender Kopfstellung
*       sie galoppiert selbständig und entspannt an und pariert auf Kommando durch, allerdings noch nicht unter dem Sattel
*       sie steht bereits freiwillig planschend in einer tiefen Pfütze (war erschwert zu lernen, da wir keine trainingsgeeigneten Gewässer in der Nähe haben und auf starke Regenfälle angewiesen sind)

Nun mag manchem die Dauer von 1 1/2 Jahren für die o.g. Lernschritte zu lang erscheinen. Das Besondere ist jedoch, dass das Lernen ohne Druck oder Zwang  ablief, sie wurde zu nichts gezwungen, sondern konnte in dem ihr eigenen Lerntempo Fortschritte machen, mit dem Vorteil, dass das Gelernte sicher sitzt und von ihr gerne und unaufgeregt gezeigt wird.

Mein persönliches Fazit: meine Stute ist sehr viel ruhiger und zufriedener geworden, ohne ihre Frechheit verloren zu haben. Sie vertraut mir jetzt, weil sie weiß, dass sie mich versteht, was sie aber nicht davon abhält zu beschließen, nicht das zu tun was ich erwarte. Zum Beispiel wenn ich einen anderen Weg gehen möchte als sie...

Mit dem Clickern erhält man weder dressierte Pferde noch verzogene bettelnde Pferde, sondern einfach Pferde, die ihren Menschen verstehen, weil er oder sie gelernt hat, dem Pferd eindeutig auf die Sekunde genau zu zeigen, dass es etwas richtig gemacht hat. Ohne Angst vor Strafe, wenn es etwas falsch macht. Der ausbleibende Click ist für erfahrene Pferde Hinweis genug, es noch einmal aber jetzt anders zu versuchen.

Ein Clicker-Pferd denkt mit, es wird in Situationen, in denen es unsicher ist und nicht weiß was genau erwartet wird, bereits Erlerntes anbieten - man kann direkt sehen, wie es hinter der Stirn angestrengt
arbeitet. Reagiert der Mensch nicht auf das Gezeigte (weil es nicht gewünscht wird) wird das erfahrene Pferd konzentriert auf den Menschen abwarten und versuchen, die kleinste Veränderung der Körperhaltung, in der Stimme zu interpretieren und neues Verhalten anzubieten.
Clicker -Pferde tendieren nicht mehr zu dem panikartigen Fluchtreflex sondern eher dazu, sich alles anzugucken und zu überlegen.

Unglaublich? Nein, logisch! Denn ein Clicker-Pferd hat auch gelernt seinem Trainer bzw. seiner Trainerin tatsächlich zu vertrauen und wenn wir nicht in Panik verfallen, wartet das Clicker-Pferd auch ab.
 

Trotzdem: Clicker -Training ist keine Guru-Methode!

Es gibt Grundregeln des Clickerns, aber keine Bedienungsanleitung für DIE Pferdeerziehung. Das Pferd gibt das Lerntempo an, ich muss mich in die Persönlichkeit und den Körper des Pferdes hineinversetzen und überlegen, wie ich genau DIESES Pferd mit MEINEN Anweisungen veranlassen kann, etwas Gewünschtes von sich aus anzubieten. Ich muss mich ständig in Bezug auf dieses eine Pferd in Frage stellen können. Ein sehr aufregender Weg.

Susanne Klebba

Weitere Infos zum Clickern
http://www.clickerreiter.de