CLICKERREITER


Susanne und Vigdis


     Vigdis, Isländerstute, 
      geb. 1991
   in Deutschland
  Susanne, geb. 1956
      Wir sind zusammen seit 1996 
           und leben bei Hannover.

 
Vigdis ist eine ganz liebe, bemühte, menschenfreundliche, selbstbewusste und freche Stute, in Deutschland gezogen. Offensichtlich ist einiges bei ihrer Erziehung nicht ideal gelaufen, sowohl bei der Gehorsamserziehung als auch beim einreiten... 
Sie ist sehr mutig, ich konnte mit ihr von Anfang an alleine ins Gelände ( abgesehen  von der Machtprobe am Anfang unserer Beziehung, wo sie alles versuchte um mich vom Rücken zu bekommen, wenn ich denn schon nicht „freiwillig“ zurück wollte ) 

Vigdis ist ein Pferd, dass man nicht schlagen darf, sie wird dann hektisch und kopflos und es geht nichts mehr. Weil ich irgendwie spürte, dass sie tun wollte, was ich von ihr verlangte, aber nicht so recht wußte, was das eigentlich war, war ich fasziniert, als ich das clickern entdeckte: 
Das Clickern ist für sie ideal, weil sie am besten lernt, wenn sie ruhig bleibt. 
Ich weiß nicht mehr genau, wie ich auf die internationale, damals einzige Clickerliste im Internet, stiess. Es war jedenfalls nach einem frustrienden Jahr, als ich kurz davor war, das Reiten ganz aufzugeben. Ich hatte Angst Vigdis zu galoppieren, weil sie dazu neigte, nicht mehr anzuhalten und noch dazu nicht durch Pfützen ging, was im Gelände eine lebensgefährliche Mischung sein kann. 

Ich clicker Vigdis seit Februar 2000 und habe mit dem Clicker das Medium gefunden, mit dem Vigdis und ich kommunizieren können. D.h. durch den Clicker weiss Vigdis endlich, was ich von ihr will bzw. wenn sie etwas richtig gemacht hat. Das muß für sie so etwas wie ein Wunder gewesen sein! 
Es mag ja Leute geben, die hektische nervöse, hibbelige Pferde mögen – ich mag sie nicht! 
Wenn ich will, das Vigdis steht, soll sie stehen. ( Das klappt zwar immer noch nicht immer, aber immer öfter ? )
Vigdis war bis vor 1 Jahr nicht imstande ruhig einen Huf hochzuhalten, sie hat dabei ganz schrecklich gezittert und manchmal dachte ich sie fällt um. Dazu kam, dass sie gar nicht trabte, verspannt war im Tölt und einen schrecklichen Galopp hatte (und noch hat ! ). 
Heute trabt sie langsam und schnell, hält ihre Beine ruhig hoch ohne zu zittern. Sie steht mittlerweile gerne und freiwillig in ihrer Lieblingspfütze ( auch wenn sie trocken liegt...) und ist insgesamt ruhiger und ausgeglichen und macht einen viel zufriedeneren Eindruck.

 

 
 

 
Konditionieren auf den Click

Ich habe Vigdis mit hilfe von kleinen blauen Plastikbechern auf den Clicker konditioniert, aber das, was hier mit ihrem geliebten Fussball zu sehen ist, ist dasselbe Prinzip:
 ~  Vigdis soll den Ball berühren
 ~  Tut es  - CLICK ( sieht man leider nicht...)
 ~  Vigdis bekommt jetzt sofort ein Leckerli

Der nächste Schritt, sie sicher den Zusammenhang zwischen richtig machen – Click – Belohnung
lernen zu lassen, kann ganz gut beim Ballspielen erkannt werden:  Jedesmal wenn Vigdis den Ball richtig berührte, klicker ich und sie bekommt ihr leckerli. 
~  anfangs reicht das berühren mit der Nase, 
~  später musste sie den Ball vor sich her treiben, 
~  dann mit den Hufen wegschiessen, 
 


 
 

 
Fussballspiele

Dabei stellte sich heraus, das Vigdis Ballspielen über alles liebt!! 
Es ist allerdings nicht nur ein Spiel, sondern hat auch praktische Auswirkungen: 
Vigdis lernte : 
~ den Kopf entspannt zu senken, 
~ die Beine zu koordinieren und 
~ gezielt einzusetzen
~ und sich dabei schnell vorwärtszubewegen. 

Für sie war das ziemlich kompliziert, denn anfangs neigte sie dazu die Beine durcheinanderzubekommen und ein „ fast umfallen “ drohte ihr mehrmals...


 

 
Kopfball

Der Kopfball ist eigentlich eine Sicherheitsübung für mich ?, weil wir öfter an einem fussballplatz vorbeireiten und ich mir immer vorstelle, so ein Ball fliegt mal zu uns rüber...
Zu Beginn testete ich natürlich, ob Vigdis Angst davor hat, sich mit dem Ball am körper berühren zulassen ( wenn ja, hätte ich das erst mal mit ihr trainieren müssen ! ), aber es war überhaupt kein Problem, ihr den Ball an die Stirn zu werfen..
~   Ich stelle mich vor sie hin
~   Vigdis steht ganz still und wartet.
~   Werfe den Ball vorsichtig ( muss ja zielen ) gegen ihre Stirn 
~   Clicke sofort, wenn der Ball ihre Stirn berührt.
~   Leckerli
Mal geht er daneben, trifft ein Ohr, auch das Maul, den Bauch und den Rücken . 
Vigdis läßt sie sich mit dem Ball überall beschiessen !


 
 

 
 
Entspannen durch Kopfsenken

Vigdis konnte sich früher nicht entspannen. Die Übung Kopfsenken ist DIE wichtige Übung fürs entspannen und mittlerweile auch für den Beginn einer manchmal aufregenden neuen Übung 
wie z.b. durch Pfützen gehen ( Kopf senken und Feind von nahem betrachten ? )
~  Ich stelle mich neben ihre Schulter.
~ Bringe sie irgendwie dazu den Kopf zu senken, die meisten Pferde machen das, 
   wenn man ihre Mähne krault oder leicht auf den Widerrist drückt oder wenn man ihnen am Boden
   etwas zeigt.
~ Sobald der Kopf auch nur ein klitzkleines Stückchen nach unten geht, click !
    Kopf kommt hoch und Belohnung

Soll der Kopf länger unten bleiben, zögere ich den Click hinaus, wenn der Kopf am Boden ist, anfangs nur um Sekunden.

Vigdis und ich sind schon etwas weiter, Vigdis hat gelernt den Kopf auf klopfen an der Schulter ( links oder rechts) zu senken und einige Zeit unten zu halten ohne dabei zu fressen. Könnte man das Foto heranzoomen, so wäre zu erkenne, dass sie zu mir hochschielt und fragt: Wann clickst du endlich  ???

 ~ Ich stelle mich neben ihre Schulter.
 ~ Klopfe leicht auf ihre Schulter.
 ~ Vigdis senkt den Kopf zum Boden 
 ~ Ich warte etwas, der Kopf bleibt unten, Vigdis ist merkbar entspannt
 ~ Es reicht:  Click
 ~ Kopf kommt hoch und Belohnung

Heute sind wir soweit, das Vigdis schon ( manchmal ) den Kopf senkt auf mein deutliches Ausatmen hin . Ziel ist das Kopfsenken auch vom Sattel aus im Gelände sicher abfragen zu können, um bei aufregenden Situationen das Pferd entspannen zu lassen. Sehr wichtig bei aufgeregten und eher nervösen Pferden wie Vigdis.


 
 
 
 

 
 
Ohr anfassen
Vigdis wurde vor kurzem am Ohr akupunktiert und war dabei fürchterlich aufgeregt. Deshalb üben wir jetzt „ am ohr anfassen “
Zuerst tolerierte sie das anfassen nur ganz kurz und das Timing musste daher sehr gut sein, damit ich nicht das Kopfwegziehen clickte.
Da Vigdis ruhiger ist, wenn ich sie auf etwas vorbereite das ich tun werde, habe ich gleich das Kommando „ Ohr “ eingeführt. Sage ich „ Ohr “, hält sie den Kopf ganz still und ich kann das Ohr anfassen. Nur kurz anfangs, wenn ich das mehrmals hintereinander übe, kann ich schliesslich den Ohrrand sogar eincremen, den sie sich z.zt. manchmal aufscheuert.

~  Ich sage „ Oh r“
~  Ich fasse ihr Ohr an 
~  Vigdis hält still. Click
~  Belohnung

Die Variante länger das Ohr berühren zum eincremen:
~  Ich sage „Ohr “
~  Ich fasse ihr Ohr an 
~  Sage die ganze Zeit „ohrohrohrohrohr“
~  Vigdis hält still. Click
~  Belohnung

Auf der rechten Seite ist sie empflindlicher, vielleicht weil sie dort z.zt. auch viele wunde Stellen hat, auf der linken Seite kann ich den Daumen schon in die Ohrmuschel legen, ganz vorsichtig natürlich
 


 
 
Rückwärtsgehen
Auf den Fotos zeigen wir nicht das rückwärtsrichten, bei dem ich vor ihr stehe und sie muss vor mir zurückweichen. Das benutze ich in der Regel, wenn sie mir aus dem Weg gehen soll.
Das eine, das wir zeigen, ist z.b. als Einparkhilfe zu nutzen, das andere Foto ist Teil einer Dominanzübung 
(vorwärts - rückwärts).
 
Einparkhilfe

Ich stehe hinter Vigdis, gehe rückwärts und sie auch. Nur bei Pferden zu empfehlen, die sicher NICHT auskeilen!
Das habe ich ihr so beigebracht:
~  Ich stehe hinter ihr
~  Versuche sie irgendwie dazu zu bringen sich nach hinten zu orientieren, schon das Ohrspiel zu mir nach hinten
     wird in diesem Stadium geklickt
~  Leckerli

Fortgeschritten :
~  Ich stehe hinter ihr
~  Manchmal folgt jetzt eine leichte Gewichtsverlagerung nach hinten
~  Click
~  Leckerli

Wenn nichts geschieht:
~  Ich stehe hinter ihr
~  Ich habe Vigdis leicht am Schweif gezogen oder am Hintern gekrault, 
~  sobald sie sich erkennbar nach hinten orientierte, click
~  Leckerli 

Bald ging sie den ersten kleinen Schrittt nach hinten. 
Das Kommando „zurück“ kannte sie schon und ich benutzte es daher auch bald als zusätzliche Hilfe. 

Perfekter :
~ Ich stehe hinter ihr
~ Sage zurück, zurück, zurück und gebe verstärkende, optische Handhilfen mit breit gehaltenen
   Armen, so dass sie sie sehen kann im Augenwinkel
~ ( Oder kraule sie evtl. oder zupfe leicht an der Schweifrübe )
~ Vigdis geht einen  kleinen Schritt nach hinten, vielleicht nur ein Bein
~ Click und sie bleibt stehen
~ Leckerli

Ich habe dann mit dieser Übung aufgehört, weil Vigdis sie immer anbot, wenn ich an ihrem Hinterteil zu tun hatte, was bei einer Ekzemerstute ja recht häufig ist.
Stattdessen habe ich eine Übung eingeführt, mit der ich Vigdis auch gut wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen kann, falls sie gegen mich aufsässig wird ( ich erinnere sie daran, wer Herrin im Hause ist)

Vorwärts -  Rückwärts
Ich führe sie zwei drei Schritte voran, bleibe stehen und gehe dann neben ihr rückwärts.
Auf dem Foto ist die Phase des rückwärtsgehen zu erkennen.

Anfang
~  ich sage „ voran “ und gehe neben ihr.
~  Click
~  Vigdis steht, Belohnung. 
~  Ich sage „ Steh “
~  Vigdis steht still ( ich auch )
~  Click + Belohnung
~  Ich sage „ Zurück “ und gehe neben ihr mit entsprechenden Handbewegungen rückwärts (das foto)
~  und sie folgt 
~  click
~  Vigdis steht, ich auch, Belohnung

Fortgeschritten
~ ich sage „voran“ und gehe neben ihr.
~ Ich sage „Steh“
~ Vigdis steht still und ich auch
~ Ich sage „Zurück“ und gehe neben ihr mit entsprechenden Handbewegungen rückwärts (das foto)
~ und sie folgt
~ wenn wir lange genug rückwärtsgegangen sind - click
~ Vigdis steht, ich auch, Belohnung
 

Führen
Vigdis folgt mir auf Kommando, im vernünftigen seitlichen Abstand und darf mich nicht überholen. Mein ausgestreckter oder angewinkelter Arm gibt dabei die Richtung vor, meistens wedel ich auch mit der Hand

Rum
Das war eine der ersten Übungen, die ich Vigdis beigebracht habe: mit dem Hintern rum zu gehen, wenn ich sie an der Kruppe berühre oder durch zeigen auf die Kruppe und das Kommando „rum“. 
Mir kommt es dabei nicht auf die Korrektheit einer Vorderhandwendung an, sondern sie soll einfach Platz machen, bei einem frechen Pferd wie Vigdis sind solche Übungen sehr wichtig !
Da das eine der ersten der Übungen war, die Vigdis lernte, sitzt sie besonders und in fast allen Lebenslagen gut. 
Eine Variante in Richtung Hinterhandwendung hat sich irgendwie zufällig ergeben beim frei auf dem Zirkel traben (in der Halle): Nur auf das Kommando „ rum “ wechselt Vigdis im Schritt die Hand !